Wenn sich auf dem Eis des Hwacheoncheon-Flusses im Norden Koreas täglich tausende Menschen versammeln, um Forellen zu fangen, dann findet das Hwacheon Sancheoneo Ice Festival statt. Das diesjährige Festival lief vom 10. Januar bis zum 2. Februar 2026 und ist gerade erst zu Ende gegangen.

Das Hwacheon Sancheoneo Ice Festival gilt als das größte Eisfischerei-Event der Welt und wurde 2011 von CNN zu den sieben Winterwundern der Welt gezählt. Jedes Jahr zieht es über eine Million Besucher an, um Forellen zu fangen und um Spaß zu haben. In diesem Jahr kamen mehr als 1,5 Millionen Menschen innerhalb von drei Wochen nach Hwacheon.

Wenn Angeln zum Riesen-Event wird
Der Hwacheoncheon ist vollständig zugefroren. Das Eis ist über 30 Zentimeter dick und die Temperaturen liegen oft bei minus 15 Grad. Das Gelände umfasst etwa 300.000 Quadratmeter und überall verteilt sitzen oder stehen Menschen an kleinen, runden Löchern im Eis. Die Angeln sind einfach, leicht und für jeden nutzbar. Man steht oder setzt sich an sein Loch, senkt die Schnur ins Wasser und wartet geduldig darauf, dass ein Fisch anbeißt.

Die Stimmung auf dem Eis ist entspannt und fröhlich zugleich. Wenn jemand eine Forelle fängt, wird sie hochgehalten, andere gratulieren, es wird gefilmt und fotografiert, Selfies inklusive.

Pro Person sind maximal drei Fische erlaubt, mehr darf nicht gefangen werden. Wer einen Fang gemacht hat, bringt ihn zu einer der Zubereitungsstationen. Dort wird der Fisch entweder als Sashimi geschnitten oder gegrillt. Die Zubereitung kostet 3.000 Won pro Fisch, und ein paar Minuten später liegt er fertig vor einem.

Der Sancheoneo ist eine Forellenart, die nur in sehr sauberem, kaltem Wasser lebt. Der Fisch ist bekannt für seinen feinen Geschmack und seine feste Konsistenz. Im Festival werden etwa 200.000 Fische in den Fluss eingesetzt und kommen aus Fischfarmen der Umgebung. Meine koreanischen Freunde sagen, der Fisch schmeckt direkt vom Eis besonders gut. Die Haut ist knusprig, das Fleisch fest und nussig im Geschmack.

Von einer Aktivität zur nächsten
Wer es extremer mag, geht zur Barfuß-Fisch-Fang-Zone, wo alle Teilnehmer orange T-Shirts tragen und direkt ins eiskalte Wasser steigen. Das Wasser steht ihnen bis zu den Knien, manchmal höher, und die Aufgabe besteht darin, Forellen mit bloßen Händen zu greifen. Die Fische sind extrem schnell und rutschig, kaum zu greifen mit nassen Händen. Wer hier mitmacht, braucht nicht nur Mut, sondern auch echte Ausdauer bei dieser Kälte. Drumherum stehen Zuschauer, die filmen, fotografieren oder die Teilnehmer anfeuern, während andere über die Schwierigkeit der Aufgabe lachen.

Von Schlittenfahren bis zu meterhohen Eisskulpturen
Das Festivalgelände ist riesig und erstreckt sich in verschiedene Zonen über die gesamte Eisfläche. In der Snow-Sledding-Zone sind Bahnen angelegt, auf denen Schlitten 40 Meter steile Abhänge hinunterfahren oder über eine 60 Meter lange Strecke direkt auf dem zugefrorenen Fluss rasen. Wer es ruhiger mag, geht zum Schlittschuhlaufen auf den großen, glatten Flächen oder probiert Curling und Eiskunstlauf aus.
In einer beheizten Indoor-Plaza stehen monumentale Eisskulpturen, die etwa 30 Künstler aus Harbin in China geschaffen haben. Die Figuren sind mehrere Meter hoch, zeigen Tiere, Gebäude und abstrakte Formen, sind von innen beleuchtet und leuchten in wechselnden Farben. Die Plaza bietet gleichzeitig die Möglichkeit, sich nach Stunden auf dem Eis richtig aufzuwärmen.


Zusätzlich gibt es das Ice Bear Castle, eine begehbare Eisfestung für Kinder, Santa's Village für Familienfotos und einen Zipline-Parcours, bei dem man über Teile des Festivalgeländes schwebt.
An den Rändern des Geländes und zwischen den Aktivitätszonen stehen zahlreiche Essensstände mit Hotteok, Tteokbokki, heißem Eintopf, Chicken Skewers und Odeng. An jeder Ecke gibt es heißen Tee, Kaffee oder süße Getränke. Wer den ganzen Tag auf dem Eis bleibt, geht zwischendurch zu den Ständen, isst etwas Warmes, wärmt sich auf und kehrt dann zurück aufs Eis oder zur nächsten Aktivität.
Wenn die Dunkelheit kommt
Sobald die Sonne untergeht, schalten sich bunte Lichter ein, Projektionen laufen über die Eisflächen, und entlang der Seondeung Street hängen etwa 20.000 Laternen in Fischform, die den ganzen Weg in warmes, orangefarbenes Licht tauchen. Musik dröhnt aus Lautsprechern, an mehreren Stellen finden Konzerte oder kleinere Aufführungen statt. Viele bleiben bis spät in den Abend, weil das Festival in der Dunkelheit einen ganz anderen Charakter bekommt.
Wer in Hwacheon übernachtet, kann kostenlos am Nachtangeln teilnehmen, was besonders bei Einheimischen beliebt ist, weil das Gelände abends deutlich leerer und ruhiger wird.

Von der kleinen Veranstaltung zum größten Eisfest der Welt
Hwacheon ist eine kleine Stadt in Gangwon-do mit etwas mehr als 22.000 Einwohnern, etwa 90 Kilometer nordöstlich von Seoul und nur 25 Kilometer südlich der demilitarisierten Zone gelegen. Die Stadt ist ländlich geprägt, umgeben von Bergen und Wäldern. Während der Festivalwochen kommen regelmäßig Busse und Autos an und die Straßen sind belebt. Über mehrere Wochen hinweg strömen Menschen aus allen Teilen Koreas nach Hwacheon zum Festival. Von Seoul aus dauert die Fahrt mit Shuttlebussen etwa zwei bis drei Stunden. Viele entscheiden sich für einen Tagesausflug, andere bleiben über Nacht in Hwacheon selbst oder in den umliegenden Orten.
Das Festival wurde 2003 ins Leben gerufen, als Hwacheon mit Bevölkerungsrückgang und wirtschaftlicher Stagnation kämpfte. Was als kleine, lokale Veranstaltung für Angler aus der Region begann, wuchs mit den Jahren zu einem Event, das auch vom MCST (Koreanisches Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus) zum besten Festival des Landes gekürt wurde.
Die Organisatoren legten dieses Jahr mehr Wert auf längere Aufenthalte und Besucherzufriedenheit als auf reine Besucherzahlen. Ein Ansatz, der aufzugehen scheint. Das diesjährige Festival erreichte trotz schwieriger Wetterbedingungen etwa 1,5 Millionen Besucher, darunter rund 122.000 internationale Gäste.
Fazit
Das Hwacheon Sancheoneo Ice Festival zeigt, wie aus einer kleinen lokalen Idee etwas Großes entstehen kann. Was 2003 als Versuch begann, eine schrumpfende Stadt zu beleben, ist heute das weltweit größte Eisfischerei-Festival, das Menschen aus aller Welt anzieht. Das diesjährige Festival ist gerade zu Ende gegangen, doch wer im kommenden Winter nach Korea reist, sollte es einplanen. Es findet traditionell von Mitte Januar bis Anfang Februar statt und bietet ein Wintererlebnis, das sich deutlich von den üblichen Stadtbesuchen unterscheidet.
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