Auch wenn Korea heute ein Land ist, in dem man fast alles mit der Kreditkarte zahlt, gibt es diese Momente, in denen man noch Bargeld, also meist Geldscheine, benötigt. Sei es für die Streetfood-Stände, kleine Märkte oder um die T-Money Card am Automaten aufzuladen.
Die koreanische Währung heißt Won, das offizielle Kürzel ist KRW. Das Symbol dafür ist ₩, ein großes W, das mit zwei horizontalen Strichen durchgestrichen ist.

In Korea gibt es nur vier unterschiedliche Banknoten mit einem Wert von 1.000, 5.000, 10.000 und 50.000 Won. Wer die vier Banknoten im Portemonnaie hat, sieht darauf ausschließlich Persönlichkeiten aus der Joseon-Dynastie. Aber wer waren diese Leute eigentlich abseits ihrer Titel?

1.000 Won: Der Gelehrte Yi Hwang
Wenn du den blauen Tausender in der Hand hältst, blickst du in das Gesicht von Yi Hwang, einem der einflussreichsten Denker Koreas. Er lebte und wirkte im 16. Jahrhundert. Sein ganzes Leben drehte sich um die Frage: Wie wird man ein wahrhaft guter Mensch? Er entwickelte komplexe Theorien über die menschliche Natur und das Zusammenspiel von Prinzip (Li) und Energie (Ki).

Aber er war kein reiner Theoretiker. Er schmiss seinen prestigeträchtigen Job in der Hauptstadt hin und zog sich in die Berge zurück. Dort baute er die Dosan-Seowon Akademie auf, um eine neue Generation von Beamten zu erziehen, denen Ethik wichtiger war als Reichtum. Sein Hauptwerk, die „Zehn Diagramme zum Lernen der Weisen“, war so bedeutend, dass es in der ganzen Region studiert wurde. Die Pflaumenblüten auf dem Schein waren sein persönliches Symbol: Sie blühen als Erste im Schnee und stehen für jemanden, der auch in widrigen Zeiten an seinen Prinzipien festhält.
5.000 Won: Der Reformer Yi I
Auf dem rötlichen 5.000er sehen wir Yi I. Er lebte und wirkte im 16. Jahrhundert und war ein Zeitgenosse von Yi Hwang. Yi I war einer der bedeutendsten koreanischen Philosophen, der einen maßgeblichen Einfluss auf den Konfuzianismus im Land hatte. Koreanische Schüler lernen immer noch über seine Lehren, die in keinem Schulbuch fehlen. Er arbeitete in der Regierung und war als unermüdlicher Reformer bekannt, der die Verwaltung fit für die Zukunft machen wollte, und kämpfte bis zu seinem Ende für ein gerechteres und stärkeres Land.

Ein Blick auf die Rückseite des 5.000-Won-Scheins zeigt die Bilder von Pflanzen und Insekten, die seine Mutter Shin Saimdang gemalt hat. Sie ist die Frau, die man auf dem 50.000-Won-Schein sieht.
10.000 Won: König Sejong der Große
König Sejong auf dem grünen Schein ist die herausragendste Figur der koreanischen Geschichte. Er lebte und wirkte im 15. Jahrhundert, einer Zeit, in der er Korea zu einer beispiellosen wissenschaftlichen und kulturellen Blüte verhalf. Sein absolutes Lebenswerk war die Entwicklung von Hangeul, dem koreanischen Alphabet.
Das Besondere: Hangeul ist weltweit die einzige Schrift, bei der man genau weiß, wer sie wann und warum erfunden hat. Kein anderes Alphabet der Welt kann das von sich behaupten. Bis heute gibt es in Korea einen gesetzlichen Feiertag zu Ehren von Hangul, den Hangeul-nal (한글날) am 9. Oktober.

Er konnte es nicht länger ertragen, dass das einfache Volk von Bildung und Rechtsprechung ausgeschlossen war, nur weil die chinesischen Schriftzeichen viel zu kompliziert zum Erlernen waren. Seine Vision war radikal: Bildung sollte kein Privileg der Elite sein, sondern ein Recht für jeden Bürger.
Wenn du in Seoul bist, kommst du an seiner Präsenz nicht vorbei. Seine monumentale goldene Statue thront im absoluten Herzen der Stadt auf dem Gwanghwamun-Platz unweit des Gyeongbokgung-Palastes.
Auf dem Geldschein sieht man neben seinem Porträt das Gemälde Irworobongdo (Sonne, Mond und fünf Gipfel) sowie astronomische Instrumente. Diese Details zeigen, dass er nicht nur ein Herrscher war, sondern ein leidenschaftlicher Wissenschaftler, der Korea den Weg in die Moderne ebnete.
50.000 Won: Die Künstlerin Shin Saimdang
Der gelbe Schein ist die höchste Banknote Koreas und zeigt mit Shin Saimdang eine Frau, die im 16. Jahrhundert lebte und wirkte. Lange Zeit wurde sie in der Geschichte primär als die "weise Mutter" von Yi I (5.000-Won-Schein) verehrt. Doch das greift viel zu kurz. Shin Saimdang war eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit: Sie war eine brillante Malerin, Dichterin und Kalligrafin. In einer extrem patriarchalischen Gesellschaft, in der Frauen fast unsichtbar waren, schaffte sie es, durch ihre Kunst unsterblich zu werden.

Ihre Spezialität war das Malen von Pflanzen, Blumen und Insekten (Chogchungdo). Ihre Bilder waren so realistisch, dass Legenden besagen, Hühner hätten nach den gemalten Insekten auf ihren Leinwänden gepickt.
Dass sie 2009 als erste Frau überhaupt auf einen koreanischen Geldschein kam, war eine kleine Sensation. Es war auch ein spätes Eingeständnis an ihre eigene kreative Genialität, die weit über ihre Rolle als Mutter hinausging.
Fazit:
Koreas Banknoten sind mehr als nur Zahlungsmittel. Sie erzählen von Gelehrten, einer Künstlerin und einem König, die das Land geprägt haben. Sie zeigen, was Korea wichtig ist: Wissen, Sprache, Menschlichkeit. Sie sind eine Erinnerung an die kulturellen Wurzeln einer Nation, die sich in Rekordzeit zu einer der modernsten Gesellschaften der Welt entwickelt hat.

Wenn ihr das nächste Mal einen Won-Schein aus der Tasche zieht, haltet ihr nicht nur ein Stück Papier in der Hand, sondern eine Geschichte voller Werte.
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