
Die zweite Staffel der international erfolgreichen Serie Squid Game (kor. Orginaltitel: 오징어 게임) hat kürzlich auf Netflix Premiere gefeiert. Neben den dramatischen und blutigen Elementen wird ein faszinierender Aspekt oft übersehen: die Rückkehr traditioneller koreanischer Kinderspiele. Diesmal mit dabei ist Gonggi (공기).
Was ist Gonggi?
Gonggi, auch als Gonggi Nori, Korean Jacks oder Seven Stones bekannt, ist ein beliebtes Geschicklichkeitsspiel in Korea, das typischerweise mit runden Steinen oder Kieselsteinen gespielt wird. Es gibt mittlerweile auch bunte Plastikvarianten, aber das Wesen des Spiels bleibt für Kinder in Korea unverändert. Zudem ist es ein integraler Bestandteil der koreanischen Kindheitsphasenkultur, das vor allem von Mädchen gespielt wird.
Die Popularität von Gonggi hat durch Squid Game 2 einen neuen Schwung erhalten. Deshalb versuchten kurz nach der Premierenausstrahlung viele Creator:innen sich selbst an dem koreanischen Kinderspiel und teilten ihre Erfahrungen auf sozialen Medien wie TikTok. Auch ich wurde von der Begeisterung angesteckt und habe es mir nicht nehmen lassen, Gonggi selbst auszuprobieren.

Die Spielregeln von Gonggi
Gonggi kann sowohl drinnen als auch draußen gespielt werden. Ziel des Spiels ist es, mit der Hand die Steine aufzuheben und dabei verschiedene Kombinationen auszuführen. Die Spieler:innen müssen dabei Geschicklichkeit, Konzentration und Schnelligkeit beweisen.
Für das Spiel ist eine gerade Fläche, wie eine Tischplatte oder ein Boden, ideal. Die Grundversion, die auch in der zweiten Staffel von Squid Game zu sehen ist, wird mit fünf Steinen gespielt. Je nach Schwierigkeitsgrad und Regelvariation kann die Anzahl der Steine jedoch erhöht werden.
Das Spiel mit fünf Steinen besteht aus fünf verschiedenen Kombinationen, in denen jede spielende Person die folgenden Phasen durchläuft:
1.Phase: Nach dem Werfen von fünf Steinen auf den Boden wird ein Stein in die Luft geworfen. Während der Stein fliegt, hebt die spielende Person einen weiteren Stein vom Boden auf, und fängt den fallenden Stein. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis alle fünf Steine sich in derselben Hand befinden.
2.Phase: Die spielende Person wirft einen Stein in die Luft und hebt gleichzeitig zwei Steine vom Boden auf bis sie den Stein, den sie in die Luft geworfen hat, wieder auffängt.
3.Phase: Die spielende Person wirft einen Stein in die Luft, hebt dann drei Steine auf, fängt den geworfenen Stein wieder auf. Dann wirft sie einen weiteren Stein und hebt den letzten Stein vom Spielfeld auf.
4.Phase: Mit fünf Steinen in der Hand wirft die spielende Person einen Stein in die Luft, lässt die anderen vier auf den Boden fallen und fängt den geworfenen Stein, bevor er den Boden berührt. Danach wirft die spielende Person den einzelnen Stein noch einmal in die Luft und versucht die am Boden liegenden vier Steine in einem Zug mit einer Hand einzusammeln, während der einzelne Stein noch in der Luft ist.
5.Phase “Kkeokgi (Schnappen)”: Nachdem die vorherigen Phasen erfolgreich durchlaufen wurden, wirft die spielende Person alle fünf Steine in die Luft und fängt sie mit dem Handrücken. Danach werden die Steine vom Handrücken aus erneut in die Luft geworfen und müssen alle gleichzeitig in einer Faust resultierend aufgefangen werden. Die Anzahl der gefangenen Steine bestimmt die Punkte, die der Spieler erhält. Die Punkte, die die Spieler:innen während des Kkeokgi erhalten, variieren von eins bis fünf und werden oft als Jahre des Alters gezählt. Die Person, die die festgelegte Punktzahl zuerst erreicht, gewinnt das Spiel. Null Punkte hingegen bedeuten hierbei, dass es überhaupt keine Punkte gibt und die nächste spielende Person an die Reihe kommt.
Aber Achtung: Fehlverhalten wird in dem Spiel nicht geduldet. Das heißt, werden andere Steine beim Aufheben berührt, ein fallender Stein nicht gefangen oder Steine fallen aus der Hand heraus, führt das zur Disqualifikation und die nächste Person kommt an die Reihe. Wird alleine gespielt, bedeutet das einfach einen kompletten Neustart des Spiels.
Mein persönliches Experiment mit Gonggi
Vor einiger Zeit bestellte ich mir eine Packung Gonggi in einem koreanischen Online-Supermarkt. Zunächst stellte ich das Spiel einfach ins Regal, weil ich nicht wusste, wie ich anfangen sollte. Als ich dann in der zweiten Staffel von Squid Game das Kinderspiel sah, fiel mir wieder ein, dass die Spielsteine bereits in meiner Spielesammlung sind.
Motiviert von der scheinbaren Einfachheit von Gonggi beobachtete ich aufmerksam, wie die Spieler:innen im K-Drama das Spiel durchführten. Um die Regeln genau zu verstehen, schaute ich mir zusätzlich ein Tutorial an und verglich die Schritte mit denen aus der Serie. Während meines Trainings bemerkte ich schnell, dass es nicht nur auf Geschicklichkeit ankam, sondern auch auf strategisches Denken. Um meine Technik zu verbessern, waren vor allem Wurferfahrung und Schnelligkeit entscheidend, damit die Steine nicht zu dicht beieinander lagen.
Nach einigen Minuten feierte ich bereits die ersten Erfolge in den verschiedenen Phasen des Spiels. Es erinnerte mich stark an ein ähnliches Spiel aus meiner Kindheit und weckte einen nostalgischen Moment zum Leben. Gonggi entpuppte sich nicht nur als unterhaltsame Herausforderung, sondern auch als wunderbarer Weg, um in persönlichen Erinnerungen zu schwelgen.

Die Vorteile von Gonggi
Das Spielen von Gonggi hat viele Vorteile, die über den bloßen Spaß hinausgehen. Zum einen fördert es die Fingerfertigkeit und die Hand-Augen-Koordination, was insbesondere für Kinder von Vorteil ist. Diese Fähigkeiten sind nicht nur in der Kindheit wichtig, sondern können auch im Erwachsenenleben nützlich sein, sei es im Beruf oder in Hobbys, die Geschicklichkeit erfordern. Auch im hohen Alter kann das Spiel eine gute Trainingseinheit für die Beweglichkeit der Hände und Reaktionszeit bilden.
Darüber hinaus bietet Gonggi eine hervorragende Möglichkeit, soziale Interaktionen zu fördern. In einer Zeit, in der digitale Geräte und Bildschirme oft den sozialen Kontakt ersetzen, ermöglicht das Spielen von Gonggi, echte Bindungen zu knüpfen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Es ist ein Spiel, das Gemeinschaft und Teamarbeit erfordert, und genau das macht es zu einer wertvollen Beschäftigung.
Allerdings kann es zum Zeitvertreib auch alleine gespielt werden. Eine mögliche Spielweise dabei wäre es, sich selbst herauszufordern, in mehreren Abläufen keine Fehler zu machen und möglichst alle Extrapunkte einzusammeln.
Ein weiterer Pluspunkt der Gonggi bietet, ist die Handlichkeit der Spielsteine. Egal ob für Spieleabende, Trinkspiele oder Familienausflüge, da es klein eingepackt ist, nimmt die Verpackung kaum Platz im Spieleschrank oder Gepäck ein, was es somit auch ideal für die Mitnahme für unterwegs macht.
Fazit
Die Rückkehr traditioneller Kinderspiele wie Gonggi in der Kultur, angestoßen durch die Popularität von Squid Game 2, ist ein erfreulicher Trend. Diese Spiele tragen nicht nur zur Erhaltung des kulturellen Erbes bei, sondern bieten auch den Menschen die Möglichkeit, auf spielerische Weise Fähigkeiten zu entwickeln und soziale Kontakte zu pflegen. Mein eigenes Experiment mit Gonggi hat mir nicht nur Spaß gemacht, sondern auch meine Wertschätzung für dieses einfache, aber herausfordernde koreanische Spiel gesteigert.
Wer auf der Suche nach einer unterhaltsamen und lehrreichen Aktivität zum Zeitvertreib ist, die sowohl Geschicklichkeit als auch strategisches Denken fördert, sollte Gonggi unbedingt ausprobieren. In einer Welt, die oft von Technologie dominiert wird, ist es erfrischend, sich an einfachen, traditionellen Spielen zu erfreuen, die Generationen überdauert haben.
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