Als Honorary Reporter für Korea.net hatte ich die Gelegenheit, die koreanische Künstlerin NIKA zu interviewen. Die Sängerin und Songwriterin ist seit vielen Jahren, ob mit Band oder mit ihren Solo-Projekten, sehr erfolgreich.
Im Gespräch mit NIKA spürte ich von der ersten Minute an ihre positive Energie. Sie ist, wie ihre Musik und ihre Texte, durch und durch authentisch. Man merkt sofort, dass sie Freude hat, ihre Musik und ihre Ideen vorzustellen. Sie nimmt einen sofort in ihre musikalische Welt mit.

NIKA ist halb Deutsche und wuchs in Seoul auf, wo sie die deutsche Schule besuchte. Sie spricht fünf Sprachen fließend: Koreanisch, Deutsch, Englisch, Japanisch und Französisch. Diese Vielseitigkeit prägt ihre Musik und macht sie als Künstlerin besonders spannend.
Ursprünglich wollte NIKA Schauspielerin werden. An der Seoul German School wurde sie nach einem Auftritt bei einem Schulfestival von einer Agentur gecastet. Es folgte eine intensive Trainee-Zeit parallel zur Schule und ihrem Studium im Fachbereich Film und Schauspiel an der Konkuk University.
2014 debütierte sie als Leader und Main Vocalist der Girlgroup BADKIZ. Die Gruppe erlangte in Korea erhebliche Bekanntheit durch Songs wie „Ear Attack“ und „Babomba“. 2017 stellte sie ihr stimmliches Können bei MBCs „King of Mask Singer“ vor einem Millionenpublikum unter Beweis. Ein Jahr später startete sie ihre Solo-Karriere.
Manuel: Deine Zeit bei BADKIZ und deine Reise als Solo-Künstlerin wirken wie zwei sehr unterschiedliche Welten. Wie haben diese Erfahrungen geprägt, was du heute mit deiner Musik sagen willst?
NIKA: Als ich Teil eines Teams war, hatte ich nicht viele Möglichkeiten, meine stimmlichen Fähigkeiten zu zeigen, also wollte ich, dass mein Gesang mehr gesehen wird als mein Image als Entertainerin. Jetzt ist es fast das Gegenteil. Ich konzentriere mich weniger darauf, zu beweisen, wie gut ich singen kann. Stattdessen bin ich mehr daran interessiert, eine kreative Entertainerin zu werden, die die Menschen wirklich genießen können. Ich hoffe, dass die Menschen durch meine Musik getröstet werden und Momente der Freude finden können.
Ihre Musik heute
NIKA arbeitet unter ihrem eigenen Label MUSIKANT und mit ZIZE Studio zusammen. Sie entscheidet selbst, welche Musik sie macht, wie sie klingt und was sie ausdrückt. Ihre Songs bewegen sich zwischen R&B, Soul, Neo-Soul und City-Pop. Wenn sie nicht im Studio ist, sitzt sie am Klavier und arbeitet an neuen Melodien.
NIKA arbeitet nicht nur als Sängerin, sondern auch als Toplinerin und Songwriterin für andere Künstler. Auf Plattformen wie SoundBetter bietet sie Gesang, Melodien und Arrangements in mehreren Sprachen an. Diese Fähigkeit macht sie zu einer gefragten Partnerin in der Musikproduktion. Daneben hat sie sich auch dem DJing zugewandt und erweitert damit ihr musikalisches Spektrum kontinuierlich. Für sie gehört Vielseitigkeit zum kreativen Prozess dazu.
Manuel: Mit welchem Song würdest du dich jemandem vorstellen, der deine Musik zum ersten Mal hört?
NIKA: Ich würde gerne zuerst „Colorful“ teilen. Es ist ein Song, der am besten meine emotionale Seite zeigt, und durch die Texte drückt er meine Identität und meinen Geisteszustand klar aus. Es ist eine Pop-Ballade, in der Zurückhaltung und Kraft gleichzeitig existieren.
Manuel: Welche Musik liegt dir persönlich am nächsten?
NIKA: Obwohl ich in verschiedenen Genres arbeite, denke ich, dass die Wurzel meiner Musik letztendlich R&B ist. Selbst jetzt, wenn ich Künstler wie Alicia Keys, Erykah Badu oder Amy Winehouse höre, fühle ich Aufregung und den Wunsch, selbst solche Musik zu machen.
Manuel: Manche Zuhörer spüren in deiner Musik eine ruhige, zurückhaltende Emotion, etwas, das oft mit koreanischer Musik verbunden wird. Siehst du das auch so?
NIKA: Das ist ein sehr guter Punkt. Ich sehe mich selbst als jemanden, der sowohl eine kraftvolle, energetische Seite als auch eine zartere, ruhigere hat. Mir wurde oft gesagt, dass, wenn ich ruhige oder leicht melancholische Emotionen ausdrücke, meine Vermittlung zurückhaltend und subtil wirkt. Ich denke, das ist ein Moment, in dem meine koreanische Identität ganz natürlich durchkommt.
Zwischen Deutschland und Korea
NIKA lebt in Seoul, was aber nicht einfach nur der Ort ist, an dem sie arbeitet. Die Stadt ist ihre Heimat geworden, hier hat sie ihr Leben aufgebaut. Ihr Mann und ihr Hund gehören fest dazu. Diese persönlichen Ankerpunkte geben ihr Stabilität in einem Alltag, der oft hektisch und unberechenbar ist. Die koreanische Hauptstadt bietet ihr das Umfeld, das sie braucht: eine lebendige Musikszene, kreative Menschen, Inspiration an jeder Ecke. Gleichzeitig bleibt sie mit ihren deutschen Wurzeln verbunden. Diese doppelte Verortung macht sie zu einer Grenzgängerin im besten Sinne.
Als Solo-Künstlerin hat NIKA begonnen, bewusst darüber zu sprechen, wer sie ist und woher sie kommt. Ihre Herkunft prägt nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Musik.
Manuel: Du beschreibst dich auf Social Media als „German Korean singer-songwriter based in Seoul“. Warum ist es für dich bedeutsam, sowohl deine deutschen als auch koreanischen Wurzeln zu zeigen?
NIKA: Wenn sich eines verändert hat in der Art, wie ich meine Identität ausdrücke, dann ist es dies. Als ich in der Girlgroup aktiv war, fühlte ich nicht das Bedürfnis, viel von meiner persönlichen Identität zu zeigen. Damals war es wichtiger, sich auf die Gruppe und unsere Aktivitäten zu konzentrieren, als darauf, wer ich als Individuum war oder welche Art von Identität ich hatte. Deswegen habe ich angefangen, wieder mehr über meine Identität nachzudenken und mich tiefer mit der Frage auseinanderzusetzen, wer ich wirklich bin.
Manuel: Wie sehr fühlst du dich musikalisch mit Deutschland verbunden?
NIKA: Es gibt Momente, in denen ich fühle, dass meine Wurzeln sowohl emotional als auch physisch mit Deutschland verbunden sind. Mein tiefer stimmlicher Ton und mein Wunsch, starke Botschaften zu vermitteln, fühlen sich auf gewisse Weise mit einer bestimmten deutschen Sensibilität verbunden an. Ich habe auch gehört, dass Deutschland viele einzigartige und charakteristische Künstler hat, besonders im Hip-Hop, R&B und in elektronischer Musik. In Zukunft möchte ich mich mehr bemühen, mit deutschen Künstlern in Kontakt zu treten.
Manuel: Du wurdest in Japan geboren, dein Vater ist Deutscher, deine Mutter Koreanerin. Du bist in Korea aufgewachsen und hast lange Zeit keine Nationalität als die deine empfunden. Wie hat dich das geprägt?
NIKA: Ich habe bis heute keine klare Antwort auf meine Identität gefunden, weder in der Vergangenheit noch jetzt. Keine einzelne, definierte Identität zu haben, lässt mich manchmal unvollständig fühlen, und ich denke, dieses Gefühl findet ganz natürlich seinen Weg in meine Musik, sowohl emotional als auch musikalisch. Und ich mag das gerade so.
Manuel: Du singst in mehreren Sprachen. Ändert sich für dich der emotionale Ausdruck je nach Sprache?
NIKA: Koreanisch ist die Sprache, die ich am besten beherrsche, also fällt mir der Ausdruck darin natürlich. Gleichzeitig, wenn ich an koreanische Zuhörer denke, tendiere ich dazu, mich unbewusst zu zensieren, weil ich fühle, dass meine Musik mit koreanischen Sensibilitäten übereinstimmen muss. Wenn ich jedoch Texte auf Englisch schreibe, bemerke ich, dass ich mich, obwohl mein Englisch nicht perfekt ist, emotional freier fühle.
Manuel: Wie schaffst du es, deine musikalische Identität zu bewahren, während du dich an ein globales Publikum richtest?
NIKA: Das ist etwas, worüber ich lange nachgedacht habe. Musikalisch fühle ich nicht das Bedürfnis, mich auf ein Land oder ein Genre zu beschränken. Trends ändern sich heutzutage so schnell, und ich denke nicht, dass es notwendig ist, jedem Einzelnen zu folgen. Egal in welchem Genre ich arbeite, der Charakter meiner Stimme, der Ton und die Emotion, die sie trägt, bleiben gleich. Das ist meine Identität, und von dort aus experimentiere ich langsam und erweitere in verschiedene Genres.

Aus Monika wurde NIKA
2022 änderte sie ihren Künstlernamen von Monika zu NIKA. Im Oktober erschien mit „Fancy“ ihre erste Veröffentlichung unter dem neuen Namen. Der Track zeigte bereits eine andere Richtung: weg vom K-Pop-Idol-Image, hin zu einem eigenständigen Sound zwischen R&B und Soul. Im Dezember 2022 heiratete sie Kim Hyunsung. Damit begann auch privat ein neues Kapitel für NIKA.
Mit ihrer Musik erreicht NIKA heute ein internationales Publikum. Ihre Songs laufen nicht nur in Korea, sondern finden auch in anderen Ländern enormen Anklang. Sie baut ihre Präsenz auf Plattformen wie Spotify und Amazon Music kontinuierlich aus und arbeitet gezielt daran, auch in Deutschland stärker wahrgenommen zu werden.
Manuel: Wie hat sich dein Songwriting verändert, seit du die volle kreative Kontrolle hast?
NIKA: Als ich Teil eines Teams war, hat der Produzent normalerweise die Gesamtrichtung vorgegeben, und ich habe meinen eigenen Ausdruck innerhalb dieser Struktur hinzugefügt. Jetzt muss ich alles von Grund auf selbst beginnen. Das ist der lohnendste und auch der spaßigste Teil, aber es gibt mir auch ein viel stärkeres Verantwortungsgefühl für meine Musik. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Wenn mich etwas im Alltag bewegt, kommen mir oft Melodien und Texte gleichzeitig. Wenn das passiert, nehme ich es auf meinem Handy auf, probiere es am Klavier aus oder skizziere es schnell in MIDI. Ich genieße es wirklich, Musik von Anfang an aufzubauen, direkt aus meinen eigenen Emotionen. Es gibt viele Nächte, in denen mir eine Melodie in den Kopf kommt und ich nicht einschlafen kann. Manchmal wache ich sogar um 3 oder 4 Uhr morgens auf, nur um sie aufzunehmen.
Manuel: Womit fängst du an, wenn du einen neuen Song schreibst? Mit den Texten, der Melodie oder einem Gefühl?
NIKA: Manchmal beginnen meine Songs mit einer starken Botschaft, die ich vermitteln möchte, aber meistens ist mein Prozess intuitiv und instinktiv. Wenn mir eine gute Melodie kommt, beginne ich normalerweise damit, Texte um das Gefühl und die Stimmung herum aufzubauen, die zu dieser Melodie passen. Ich denke, ich tendiere dazu, mehr durch das Folgen meiner Emotionen zu kreieren als durch Überdenken.
Manuel: Was inspiriert dich gerade am meisten in deiner Arbeit?
NIKA: Meine Neugier auf Neues in der Musik ist eine bedeutsame Motivationsquelle in meinem kreativen Prozess. Ich fühle, dass ich nach und nach Genres zum Leben erwecke, die ich noch nicht erforscht habe, sowie neue Konzepte und Visuals. Es ist oft aufregend und wirklich spaßig, diesen Prozess alleine durchzugehen.
„Over the Wall“ und das Durchbrechen von Grenzen
NIKA lässt sich nicht in eine Schublade stecken, und das ist gut so. Ihre Musik bewegt sich zwischen Pop, R&B, Soul und K-Rock. Mal dominiert die eine Richtung, mal die andere. Diese Vielseitigkeit macht sie interessant, denn man weiß nie genau, was als Nächstes kommt. Und doch erkennt man sofort, dass es NIKA ist. Mit "Over the Wall", erschienen im Dezember 2025, geht sie stärker in Richtung K-Rock. Der Track ist kraftvoll, explosiv und zeigt eine Seite von ihr, die viele so noch nicht kannten. Es ist genau diese Entwicklung, die ihre Musik spannend macht.
Persönlich, direkt und kompromisslos steht der Song für vieles, was NIKA durchlebt hat. Die Mauer, von der sie singt, ist nicht nur eine Metapher. Es sind die Erwartungen, die Schublade, die Grenzen, die andere ihr setzen wollen.
Manuel: Was hat dich zu „Over the Wall“ inspiriert?
NIKA: Ich fühlte Enttäuschung und Frustration. Ich schenkte mir ein Glas Wein ein, und während ich Alicia Keys' „Another Way to Die“ hörte, fühlte ich eine überwältigende Emotion. In diesem Moment dachte ich: „Ich will einen Song wie diesen machen“, und ich fing sofort an, Ideen zu skizzieren. So entstand „Over the Wall“, ein Track, der meine explosive Energie einfängt.
Manuel: Was bedeutet „die Mauer“ persönlich für dich?
NIKA: Diese Mauer repräsentiert viele Dinge: meine Vergangenheit als Mitglied einer Girlgroup, die für lustige, fröhliche Musik bekannt war; Menschen, die sich nur noch an diese Version von mir erinnern; und die Haltungen derer, die versuchen, mich strikt entweder als koreanisch oder ausländisch zu definieren. Genau wie „Over the Wall“ will ich nicht innerhalb eines einzigen Genres bleiben – ich will darüber hinausgehen und frei über Grenzen hinweg mischen.
Manuel: Du hast deinen Namen geändert, die koreanische Staatsbürgerschaft angenommen. Fühlst du dich jetzt angekommen? Oder wird sich NIKA weiter verändern?
NIKA: Die Namensänderung hat mir gezeigt, wie stark mein Verlangen nach ständiger Erneuerung ist. Es hat mich dazu gebracht, meinen Namen zu ändern, mir einen neuen koreanischen Namen zu geben, und ich denke, ich werde nie aufhören, mir neue Rollen zu geben. Ich bin aufgeregt und neugierig, was in der Zukunft passieren wird.
Fazit
NIKA lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Zwischen Deutschland und Korea, zwischen R&B und Pop, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ihre Musik ist persönlich, ihre Texte ehrlich, ihre Energie ansteckend. Sie zeigt, dass Identität sich entwickeln darf und nicht festgelegt sein muss. Wer ihre Songs hört, merkt sofort: Hier singt jemand, der genau weiß, wohin die Reise geht, auch wenn das Ziel sich immer wieder verändert.
Ich kann jedem nur empfehlen, die Songs von NIKA anzuhören.
Unter folgendem Link findest Du mehr Informationen sowie ihre Songs auf Melon, Spotify, Apple Music und Youtube: https://linktr.ee/NIKA_MUSIKANT
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