Koreanisch gilt als eine der komplexeren Sprachen der Welt. Die Grammatik unterscheidet sich deutlich vom Deutschen, das Alphabet Hangeul ist zwar logisch aufgebaut, aber dennoch ungewohnt und viele Vokabeln entziehen sich vertrauten Lautstrukturen. Trotzdem wächst weltweit das Interesse, diese Sprache zu lernen, nicht zuletzt durch den anhaltenden Erfolg von K-Dramen, K-Pop und koreanischen Filmen.
Ich selbst habe vor einiger Zeit angefangen, Koreanisch zu lernen und ziemlich schnell gemerkt, wie schwer es ist, den Überblick zu behalten. Es gibt unzählige Bücher, Onlinekurse, VHS-Angebote, Sprachschulen, YouTube-Videos und Lern-Apps. Alle versprechen Fortschritt, aber nicht alle funktionieren gleich gut.

Gerade am Anfang stellt sich die Frage: Wo fängt man an? Was hilft wirklich, und was macht es eher komplizierter?
Um besser zu verstehen, wie man sinnvoll lernt, worauf es ankommt und welche Fehler sich vermeiden lassen, habe ich mit Sara Chanmi Na gesprochen.
Sie lebt in Wien, ist Koreanerin, zweisprachig aufgewachsen und hat an der Universität Wien Koreanologie studiert. Bereits während ihres Studiums war sie als Universitätsassistentin tätig und unterstützte unter anderem bei der Entwicklung von Lehrmaterialien. Später arbeitete sie als Sprachtrainerin am Sprachenzentrum der Universität Wien und unterrichtete dort mehrere Jahre Koreanisch für deutschsprachige Lernende.
Heute ist sie allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Dolmetscherin und war unter anderem beim Besuch des ehemaligen koreanischen Präsidenten Moon Jae-in in Österreich im Einsatz. Sie dolmetschte auch für Bundespräsident Alexander Van der Bellen und den damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Darüber hinaus gründete sie ihre eigene Sprachschule und bietet seit 2022 mit „Flüssig Koreanisch“ einen Onlinekurs an, der das aktive Sprechen von Beginn an in den Mittelpunkt stellt. Auf Instagram, TikTok und in ihrem Podcast „Sauerkraut und Kimchi“ gibt sie regelmäßig praktische Tipps rund ums Koreanisch lernen, verständlich, motivierend und auf Augenhöhe.
Manuel:
Sara, du unterrichtest seit vielen Jahren koreanisch, was ist deiner Meinung nach der wichtigste erste Schritt, wenn man Koreanisch lernen will?
Sara:
Das Wichtigste beim Sprachenlernen ist, einen klaren roten Faden zu haben.
Wie du in deinem Artikel bereits beschrieben hast, gibt es mittlerweile eine riesige Auswahl an Lernangeboten, Materialien und Videos. Die Gefahr dabei ist, dass man von überall ein bisschen etwas aufschnappt, hier ein Video, dort ein Beitrag, aber keinen strukturierten Lernweg verfolgt. So konsumiert man zwar unterhaltsame Koreanisch-Inhalte, lernt dabei aber kaum aktiv.
Ein klarer roter Faden bedeutet auch: Bleib nicht zu lange bei einer App, die dir Sätze beibringt wie „Ich werfe mit der Schüssel.“ Setz dich vor dem Koreanisch lernen einmal bewusst hin und überleg dir: Wohin möchtest du eigentlich? Wenn du nach Korea reisen und dort mit Menschen in Kontakt kommen willst, dann such dir Lernmaterialien, mit denen du alltagsnahe und nützliche Sätze lernst, wie zum Beispiel: „Können Sie mir das bitte noch einmal sagen?“, oder „Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden.“ Gerade die kleinen Lernerfolge helfen dir dabei, auch beim Erlernen einer schwierigen Sprache motiviert zu bleiben. Dabei trägst du selbst eine wichtige Verantwortung für deinen Erfolg.
Manuel:
Warum sollten Lernende deiner Erfahrung nach Hangeul von Anfang an lernen und nicht erst auf die Umschrift/Romanisierung setzen?
Sara:
Wenn man ausschließlich mit der Umschrift lernt, läuft man Gefahr, die korrekte Aussprache nie wirklich zu beherrschen. Denn es gibt im Koreanischen Laute, die es im Deutschen (oder in anderen westlichen Sprachen) so gar nicht gibt, die Umschrift kann diese nur annähernd wiedergeben. Wer sich daran gewöhnt, nur mit der Umschrift zu lernen, gewöhnt sich damit auch an eine ungenaue Aussprache. Und wie wir wissen: Einmal eingeübte Gewohnheiten sind schwer wieder zu korrigieren.
Spätestens ab dem Moment, in dem du Koreaner kennenlernst und ihre Namen falsch oder seltsam aussprichst, entsteht eine gewisse Distanz, auch wenn sie das vielleicht nicht direkt zeigen. Gerade Namen sind etwas sehr Persönliches, und wer sie korrekt aussprechen kann, zeigt Respekt und echtes Interesse an der Sprache und Kultur. Deshalb ist es so wichtig, sich früh mit der richtigen Aussprache und Hangeul zu beschäftigen, das schafft Nähe und echte Verbindung.
Manuel:
Gibt es typische Fehler, die man am Anfang unbedingt vermeiden sollte?
Sara:
In meinen Kursen begegnen mir immer wieder zwei ganz unterschiedliche Lerntypen. Die erste Gruppe nimmt das Koreanisch lernen sehr ernst, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu ernst. Du gehörst vielleicht dazu, wenn du viel Zeit und Energie investierst, aber schnell frustriert bist, sobald die Fortschritte nicht deinen Erwartungen entsprechen. Gerade weil du so fleißig lernst, fühlt sich jeder Rückschlag besonders schwer an. Mein Tipp: Sei nicht zu streng mit dir. Koreanisch zu lernen ist ein langer Weg, und zu viel Druck nimmt dir schnell die Freude am Lernen. Frag dich lieber, ob du deine Lernweise vielleicht anpassen kannst, statt an dir selbst zu zweifeln.
Die zweite Gruppe gibt oft zu schnell auf. Meistens dann, wenn es plötzlich schwieriger wird. Wenn du dich hier wiedererkennst, hast du Koreanisch vielleicht eher aus einem oberflächlichen Interesse an K-Dramen oder K-Pop entdeckt. Das ist völlig in Ordnung. Nicht jeder muss die Sprache bis ins letzte Detail beherrschen. Entscheidend ist, dass du für dich selbst klärst, wie tief du wirklich eintauchen möchtest und ob du bereit bist, dranzubleiben, wenn es mal anspruchsvoll wird.

Manuel:
Wie wichtig ist aus deiner Sicht regelmäßiges Sprechen, auch wenn man noch, so wie ich, viele Fehler macht?
Sara:
Ich kenne tatsächlich Menschen, die seit 4 bis 6 Jahren Koreanisch lernen, aber kaum sprechen können, einfach weil sie es nie wirklich geübt haben.
Ein Beispiel ist eine Bekannte von mir, die wie ich in Wien geboren wurde und deren Eltern aus Korea stammen. Sie versteht problemlos, was ihre Eltern auf Koreanisch sagen, aber sie kann nicht auf Koreanisch antworten, weil sie das Sprechen nie bewusst trainiert hat.
Manuel:
Kann man mit YouTube und koreanischen Serien oder auch Apps, meist KI-gesteuert, überhaupt sinnvoll Koreanisch lernen?
Sara:
Ja, bis zu einem gewissen Niveau geht das. Wenn du sehr zielgerichtet lernst, kannst du mit Apps systematisch Vokabeln lernen und regelmäßig wiederholen. Beim Schauen koreanischer Serien hast du einen enormen Lernerfolg, wenn du zwischendurch auf Pause drückst und einzelne Sätze laut nachsprichst. Mit der Zeit kann das allerdings den Sehfluss stören und dann wird das konsequente Üben schwieriger.
Auch auf YouTube findest du gute Erklärvideos zur Grammatik. Wichtig ist aber: Du musst selbst darauf achten, alle Sprachkompetenzen „Sprechen, Hören, Schreiben, Grammatik und Lesen“ regelmäßig und ausgewogen zu trainieren.
ChatGPT ist inzwischen eine der besten Übersetzungshilfen, aber: Die Übersetzungen sind oft noch zu wörtlich. Für professionelle Übersetzungen ersetzt es keine echte Fachperson. KI-gestützte Apps sind mittlerweile auf einem beeindruckenden Niveau, man kann damit tatsächlich schon einfache Dialoge führen.
Aber was meines Erachtens wie vor unersetzbar ist, ist der persönliche Austausch mit jemandem, der dir erklären kann, warum etwas so funktioniert, wie es funktioniert.
Gerade weil die koreanische und die deutsche Grammatik grundlegend verschieden sind und es Strukturen im Koreanischen gibt, die es im Deutschen so gar nicht gibt, kommt man mit Büchern oder automatisierten Lernhilfen oft nur bis zu einem bestimmten Punkt.
Dann braucht es jemanden, der die sprachlichen und kulturellen Feinheiten erklären kann und genau da liegt der Wert von gutem Unterricht.

Manuel:
Was ist dein ultimativer Lern-Tipp?
Sara:
Verabschiede dich vom klassischen Schul-Sprachunterricht.
Wenn du kein Vollzeitstudent bist, solltest du realistisch einplanen, dass es etwa fünf Jahre dauern kann, bis du wirklich fließend Koreanisch sprichst.
Sei dir von Anfang an bewusst: Sprachenlernen ist ein langfristiger Prozess. Deshalb ist es wichtig, gleich zu Beginn dein persönliches Ziel zu definieren und dein Lernen genau darauf abzustimmen.
Willst du zum Beispiel einfach eine Reise nach Korea machen, konzentriere dich auf die wichtigsten Redewendungen und Alltagssituationen. Das motiviert, bringt schnelle Erfolgserlebnisse und macht das Lernen deutlich angenehmer.
Manuel:
Als letzte Frage: Du hast nun auch ein Buch veröffentlicht, „Sieben Tage Seoul“. Ist das nun ein Reiseführer, ein Lesebuch oder ein Sprachkurs? Magst Du uns das Buch kurz vorstellen?
Sara:
Dieses Buch richtet sich an alle, die Koreanisch lernen möchten. Es basiert auf der Erzählung eines gemeinsamen Urlaubs in Seoul, an dem auch Julia Fischer teilnahm. Sie hat bei dem Buch auch mitgewirkt und ist gleichzeitig meine Social Media Managerin.
Das Buch ist für Lernende auf dem Niveau B1 konzipiert und verbindet authentische Erlebnisse mit einem durchdachten Lernkonzept. Aufgeteilt in neun Kapitel, bietet es auf jeder Doppelseite links den deutschen Originaltext und rechts die koreanische Übersetzung, ideal zum parallelen Lesen und Verstehen.
Um den Lernprozess zu erleichtern, sind zentrale Vokabeln in beiden Sprachen fett gedruckt und wichtige Grammatikstrukturen unterstrichen. Am Ende jedes Kapitels finden sich zusätzlich verständliche Erklärungen zu den behandelten Grammatikpunkten sowie eine zweisprachige Vokabelliste.

Fazit:
Koreanisch zu lernen ist eine Herausforderung, aber eine, die sich lohnt. Wer neugierig ist, sich nicht vom ungewohnten Satzbau oder einem neuen Alphabet abschrecken lässt und bereit ist, regelmäßig zu üben, wird spürbare Fortschritte machen. Und mit Menschen wie Sara Chanmi Na an der Seite, die nicht nur Sprache, sondern auch Kultur vermitteln, bekommt das Lernen eine besondere Tiefe.
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